Was Fesseln mich über Führung gelehrt hat

von | 11. Mai. 2026

Hast du ein Bild im Kopf, wie Dominanz aussieht? Befehle geben, Kontrolle haben, die andere Person klein machen? Ich hatte dieses Bild auch. Und ich habe es lange Zeit so weit von mir weggeschoben, dass ich dachte: Das bin ich nicht. Das will ich nicht. Fesseln hat mich eines Besseren belehrt und gezeigt, was meine Führung ist.

In diesem Ausschnitt aus meinem Gespräch mit Nina, teile ich, wie Fesseln mein Verständnis von Führung grundlegend verändert hat.

Was Führung für mich bedeutet

NINA: Was ist der größte Benefit, den dir Fesseln bringt? Was ziehst du daraus?

JULIA: Das hat sich über die Zeit bei mir entwickelt. Hättest du mich das vor zehn Jahren gefragt, hätte ich es dir gar nicht sagen können, weil es für mich ein Gefühl war, eine super-super-süße, naive, kindliche Neugierde, die mich zum Fesseln zog.

Jetzt, dadurch dass ich das professionell mache, bin ich da ein bisschen erwachsener geworden. Und für mich ist es tatsächlich so: Ich habe durchs Fesseln einen Teil von mir kennengelernt, von dem ich nie gedacht hätte, dass es ihn überhaupt gibt. Diese führende Rolle einzunehmen. Ich habe früher immer gesagt, „ich bin nicht diejenige, die führt“. Ich dachte: „Dominanz und Sadismus, nein, das bin ich nicht. Ich bin diejenige, die sich hingibt“. Die andere Richtung war null in meiner Welt vorhanden, ich habe sie sogar richtig schön vor mir weggedrückt.

Je mehr ich dann in dieser Fesselwelt war, bin ich da peu à peu reingekommen. Und bin jetzt an dem Punkt, wo ich sage: Das ist ein Anteil von mir, den ich so krass unterdrückt hatte, der mir aber so viele Möglichkeiten gibt, mich auszudrücken.

Demut in der Führung

NINA: Das ist so schön. Da sind direkt zwei Folgefragen. Dein Verständnis von Führung oder Dominanz hat sich wahrscheinlich komplett verändert, weg von diesem „Ich gebe einfach nur Befehle“ hin zu Verantwortung und Caring?

JULIA: Total. Für mich hat sich das dahingehend verändert, dass Führung bedeutet: Ich schlage einen Weg vor und sage, hey, ich möchte heute mit dir dahin. Und dann warte ich darauf, dass die Person mir folgt. Wenn die Person sagt „fuck off“, was ja auch in Ordnung ist, oder „geile Idee, aber heute nicht“, dann darf ich mir einen anderen Weg überlegen. Oder ich frage: „Was brauchst du, um diesen Weg, den ich dir vorgeschlagen habe, mit mir zu gehen“?

Und das ist Führung. Und dabei auch wirklich zu sagen: Hey, du hast eine Selbstverantwortung. Mir blind zu folgen ist falsch, ich möchte wirklich, dass du mit dir eincheckst und sagst, ist das der Weg, den du mit mir gehen möchtest, oder nicht.

Was ich dann auch gelernt habe: Es geht nicht mehr darum, was ich tue, sondern darum, wie ich bin. So möchten Menschen mir folgen. Nicht weil ich den zehntausendsten Knoten perfekt kann oder wunderschön symmetrische Muster fessle, sondern darum, wie ich die Menschen führe.

NINA: Das ist doch bestimmt auch in den Rest deines Lebens übergegangen, ein anderes Selbstbewusstsein, ein anderes Standing im Alltag?

JULIA: Ja, auf jeden Fall. Ich bin dadurch klarer geworden in dem, was ich will und was ich nicht will. Ich mache in meinem Leben mittlerweile mehr Angebote und sage: Ich gehe dahin, möchtest du mit? Und nicht mehr: Ich gehe dahin, komm mit.

Und diese Erkenntnis, dass dieses alte Bild von Dominanz mein eigenes Konstrukt war und von außen so nie an mich herangetragen wurde, die trage ich jeden Tag mit mir rum. Ich hinterfrage mich seither bei vielen Situationen: Ist das wirklich die Wahrheit, dieser Gedanke? Oder ist das einfach nur eine Geschichte, die ich mir erzähle, die mich von irgendwas zurückhält?

Und schon allein dieses Gefühl

NINA: Gibt es einen Moment beim Fesseln, der dich immer wieder berührt?

JULIA: Schon allein dieses Gefühl zu bekommen: Da ist ein Mensch, der mir vertraut, meiner Führung so sehr. Der mir letztlich sein Leben schenkt bzw. in meine Hände legt, weil das ist es beim Fesseln. Das ist ein krasses Gefühl. Ich fühle mich da jedes Mal geehrt. Und richtig demütig. Das ist das Interessante: Ich bin in Führung, und ich fühle mich demütig, weil jemand mir so viel Vertrauen entgegenbringt. Und ich kriege da Gänsehaut und könnte echt heulen, weil mich das so krass berührt.

Was Fesseln mich gelehrt hat: Führung hat nichts mit Kontrolle zu tun. Und Demut hat nichts mit Schwäche zu tun. Beides gehört zusammen, und beides habe ich durch das Seil gefunden.

Du willst das ganze Gespräch hören?

Nina und ich haben uns knapp zwei Stunden über Fesseln unterhalten, über Seile, Sicherheit, Körper, Vertrauen und noch viel mehr. Es war ein offenes, neugieriges und wirklich schönes Gespräch. Wenn Du dem ganzen Gespräch lauschen magst, klicke auf das Bild und Du gelangst direkt zu Folge bei Spotify. Natürlich gibt es die Folge auch überall da, wo es Podcasts gibt.

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